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Deutsch-finnische Wasserstoff-Kooperation – so arbeiten Deutschland und Finnland zukünftig eng zusammen

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27.2.2026 | Was konkret steht in der deutsch-finnischen Wasserstoff-Erklärung? Welche Themen werden in Zukunft verstärkt vorangetrieben? Und was sind die nächsten Schritte? Wir haben die deutsch-finnische Erklärung für Sie analysiert.

An abstract visualization of aspects of the hydrogen economy
(c) iStock

Wasserstoff-Kenner in beiden Ländern hatten es bereits lang erwartet: Am 18. Februar 2026 setzten dann die Ministerinnen Reiche und Multala ihre Unterschriften beim IAE-Ministertreffen in Paris unter die „Gemeinsame Absichtserklärung“ zur Kooperation bei Wasserstoffinfrastruktur sowie für entsprechende Technologieentwicklung und Investitionen. Auch wir hatten diese Erklärung mit Spannung erwartet, denn die Konsultationen dazu, an denen auch wir als AHK Finnland maßgeblich beteiligt waren, liefen bereits seit Ende 2023.

Als einen besonderen Schwerpunkt nennt die Erklärung die Förderung von Investitionen in die Wasserstoff- und Wasserstoffderivatproduktion in beiden Ländern: „Die Teilnehmer werden die deutsch-finnische Wasserstoffkooperation sowie die Zusammenarbeit im Ostseeraum aktiv vorantreiben, um internationale Akteure für Investitionen in der Region zu gewinnen und so die Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft zu beschleunigen.“

Was haben Deutschland und Finnland beim Thema Wasserstoff vereinbart?

Zu Beginn der Absichtserklärung steht eine Präambel, in der beide Länder besonders betonen, die wirtschaftliche Rahmenbedingungen für folgende Direktinvestitionen zu fördern:

  • in die Produktion sauberer Energien
  • in die Dekarbonisierung der Industrie und anderer energieintensiver Endverbrauchersektoren
  • sowie in die Weiterverarbeitung von Wasserstoff zu anderen Energieprodukten wie erneuerbaren Kraftstoffen nicht-biologischen Ursprungs (RFNBO)

 

Weitere konkrete Themen listet die Erklärung im Hauptteil der Erklärung auf (siehe unten).

Die Präambel beschreibt zunächst den Kontext der Erklärung und nennt die verstärkte Zusammenarbeit beider Länder einen Beitrag, „die globale Energiewende zu beschleunigen und die internationale Energiesicherheit zu gewährleisten“. Zudem stelle sie Versorgungssicherheit, wettbewerbsfähige Marktbedingungen und exzellente Investitionsbedingungen entlang der Wertschöpfungsketten sauberer Energien für beide Volkswirtschaften sicher.

Die Voraussetzungen seien günstig, um „einen effizienten Energiemarkt für saubere Energie und verwandte Energieprodukte im Ostseeraum“ innerhalb des europäischen Binnenmarktes zu schaffen, so die Präambel. Finnland habe großes Potenzial für die Produktion erneuerbarer Energien, und Deutschland habe Speicherkapazität. 

 

In welchen Bereichen werden Deutschland und Finnland konkret beim Thema Wasserstoff zusammenarbeiten?

Der Hauptteil der Absichtserklärung beschreibt die Themen und Methoden der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Finnland wie folgt:

  1. Beide Länder wollen Investitionsbedingungen schaffen, um neue Wasserstoff-Wertschöpfungsketten zu ermöglichen. Konkret sollen „wettbewerbsfähige Investitionsbedingungen für die Produktion erneuerbarer oder anderer sauberer Energien, für die Wasserstoffproduktion sowie für die Herstellung von Wasserstoffderivaten wie synthetischem Methan, Ammoniak und anderen Chemikalien und zugehörigen Technologien“ geschaffen werden. Auch Industrie und andere Energiesektoren, die erneuerbare oder andere saubere Energien nutzen, werden demnach entsprechend den nationalen Präferenzen und dem Energiemix gefördert.
  2. Beide Länder möchten einen Wasserstoffmarkt im Ostseeraum und entsprechende Infrastruktur aufbauen, um die nationalen Wasserstoffmärkte und Investitionen in Wertschöpfungsketten in beiden Ländern zu ermöglichen.
  3. Um vollständige Wasserstoff-Wertschöpfungsketten innerhalb und zwischen den Ländern zu erreichen, wollen beide Länder die aktive Zusammenarbeit in EU- Schlüsselprogrammen vorantreiben, die auf eine ausgewogene Entwicklung wichtiger Infrastrukturen und Wasserstoffzentren („hydrogen valleys“) abzielen.
  4. Übertragungsnetzbetreiber und Projektentwickler sollen bei der Umsetzung der PCI-Pipeline-Projekte im Ostseeraum unterstützt und die Umsetzung ermöglicht werden.

 

Volkswirtschaftliche Bedürfnisse Finnlands

Besonderes Augenmerk richtet die gemeinsame Absichtserklärung auf Finnland:

 

  1. Beide Länder betonen, dass Finnland einen hohen Wertschöpfungsgrad bei der Nutzung sauberer Energie im Inland anstrebt. Finnland priorisiert die Förderung regionaler Wasserstoffzentren und den Aufbau einer nationalen Wasserstoffinfrastruktur. Beide Länder bestätigen das nationale Ziel Finnlands, bis 2035 einen landesweiten Wasserstoffmarkt zu entwickeln, der auf regionalen Wasserstoffzentren und der dazugehörigen nationalen Infrastruktur basiert.
  2. Das Bundeswirtschaftsministerium wird sich daher für die Förderung deutscher Investitionsförderungsmechanismen für deutsche Investitionen in das finnische Ökosystem für erneuerbaren Wasserstoff einsetzen.

 

Aspekte Energie- und Versorgungssicherheit

Auch die grenzüberschreitende Bedeutung für die Versorgungssicherheit und Souveränität wird adressiert:

Beide Länder streben an, Transportinfrastruktur für überschüssigen Wasserstoff und anderer Logistiktechnologien auszubauen, die die Produktion und Speicherung sauberer Energie für die EU-Mitgliedstaaten im Ostseeraum ermöglichen. Sie sind sich einig, dass „eine solche Infrastruktur die Versorgungssicherheit und Energiesouveränität der EU stärkt und die Grundlage für den Ausbau der europäischen Wasserstoffwirtschaft bildet“. Beide Länder wollen bei Themen der Überwachung, des Schutzes und der Resilienz kritischer Energieinfrastrukturen zusammenarbeiten.

 

Technologische Zusammenarbeit zur Dekarbonisierung der Energiesysteme

Weitere Zusammenarbeit zielt auf verschiedene Technologien rund um die Erzeugung von sauberer Energie:

Beide Länder möchten technologisch zusammenarbeiten, um die Energiesysteme zu dekarbonisieren, z.B. in den Bereichen Entwicklung und Einsatz von Smart-Grid-Technologien oder bei Schlüsseltechnologien des Wasserstoffsektors, wie z. B. der Elektrolyseurproduktion und verschiedenen Formen der Energiewandlung im Bereich der sauberen Energien

 

Was sind die nächsten Schritte der deutsch-finnischen H2-Kooperation?

Wie geht es konkret weiter nach einer solchen Erklärung auf Ebene der Ministerien? Die Absichtserklärung gibt Antworten:

  1. Für die regelmäßige Zusammenarbeit wird im ersten Schritt eine deutsch-finnische „Ad-hoc“-Arbeitsgruppe aus Experten eingerichtet, die regelmäßig oder nach Bedarf zusammentritt. Die Arbeitsgruppe wird sich über Wasserstoffpolitik sowie über Fragen und Herausforderungen im Zusammenhang mit den vereinbarten Themen und gemeinsamen Maßnahmen austauschen. Zudem werden hochrangige Ministerialbeamte aus beiden Ländern bei Bedarf zusammenkommen.
  2. Die Arbeitsgruppe soll laut Absichtserklärung von weiteren Experten-Institutionen unterstützt werden. Beide Länder wollen „wichtige Akteure der Wertschöpfungskette zusammenzubringen, um neue Investitionen und die wirtschaftliche Zusammenarbeit zu fördern.“ 

 

Diese Unterstützung wird laut Erklärung u.a. von Organisationen wie der Deutsche Energie-Agentur (DENA), der Deutsch-Finnischen Handelskammer (AHK Finnland), Germany Trade and Invest (GTAI) und den Hydrogen Cluster Finland geleistet werden.

 

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