Die finnische Zollstatistik gibt Aufschluss über Entwicklungen im deutsch-finnischen Handel. Diese Zahlen berücksichtigen jedoch keine Verteidigungsgüter oder Dienstleistungen, beides schnell wachsende Bereiche. Wir haben die Zollzahlen 2025 für Sie analysiert – und wagen einen Ausblick auf 2026.
Finnische Warenexporte nach Deutschland 2025
Laut den Zollzahlen wurden 2025 finnische Waren im Wert von über 7,3 Mrd. Euro nach Deutschland exportiert (ca. 9,9 % der finnischen Gesamtexporte). Damit sanken die finnischen Exporte nach Deutschland Vorjahresvergleich um 9,6 %; bereinigt man die Zahlen um einen Sonderfaktor aus dem Vorjahr, die Auslieferung eines Kreuzfahrtschiffes im Juni 2024, beträgt der Rückgang nur 1,2 %. Schiffslieferungen kommen im deutsch-finnischen Handel nicht jedes Jahr vor und beeinflussen die Statistik stark. Einen großen Anteil der finnischen Exporte nach Deutschland 2025 machten mit 12,2% Kraftfahrzeuge aus (ca. 900 Mio. €, +23 %).
Finnland schwört auf deutsche Maschinen und Anlagen
Finnland importierte 2025 Waren im Gesamtwert von 11,6 Mrd. Euro aus Deutschland (15,5 % der finnischen Importe). Eine Steigerung um 1,9 %. Deutschland ist somit aktuell ein deutlich wichtigeres Importland als Exportziel für Finnland. Besonders stark wuchsen die Importe von Maschinen, Anlagen und Transportausrüstung. Diese Produktgruppen machen mit einem Gesamtwert von über 5,7 Mrd. Euro fast 50 % der finnischen Importe aus Deutschland aus. Diese Zahlen zeigen das große Vertrauen finnischer Industrieunternehmen in deutschen Maschinen, Anlagen und Vorprodukten.
Finnische Exportwirtschaft im Wandel
Die finnische Exportwirtschaft befindet sich im Wandel, weg von Auftragsfertigung hin zu mehr Hochtechnologie, Energielösungen und Verteidigungsindustrie. Die Entwicklungen im Verteidigungssektor sind aufgrund von Geheimhaltungspflichten nicht in den finnischen Zollzahlen sichtbar. Auch die Bedeutung von Dual-Use-Gütern nimmt zu. Insbesondere in Deutschland steigt die Nachfrage aufgrund von Investitionen in Verteidigung, Infrastruktur und Energielösungen.
Finnische Exporte nach Deutschland: Größte Produktgruppen
- Papier, Pappe und daraus hergestellte Produkte: 970 Mio. € (+2,0 %), Anteil 13,2 %
- Kraftfahrzeuge: ca. 900 Mio. € (+23,0 %), Anteil 12,2 %
- Sonstige elektrische Maschinen und Geräte: 662 Mio. € (-32,4 %), Anteil 9,0 %
Die Entwicklungen im Einzelnen
• Verteidigung und Dual-Use: Durch den finnischen Beitritt zur NATO 2023 profitieren Unternehmen in diesem Bereich. Finnische Unternehmen kooperieren zunehmend mit deutschen Herstellern. Finnische Radpanzer oder Boote werden in Deutschland produziert, und Rheinmetall baut gemeinsam mit dem finnischen Satelliten-Startup ICEEYE eine Konstellation für die Bundeswehr. Auch der Pkw-Auftragsfertiger Valmet Automotive sieht Chancen im Verteidigungssektor. Um die finnische Versorgungssicherheit und die industrielle Kapazität zu stärken, ist der finnische Staat sogar als Mehrheitseigentümer eingestiegen.
• Energiewende und Batterieindustrie: Finnische Unternehmen sehen Chancen in der Energiewende und dem Wandel hin zur Elektromobilität. Finnland ist bekannt für industrielle Effizienztechnologien oder maritime „green shipping“-Lösungen. In der Batterie-Wertschöpfungskette setzt Finnland z.B. auf den Export von Kathodenmaterialien für Lithium-Ionen-Batterien.
• Investitionen in saubere Energie: Investitionen in Windkraft, günstiger und sauberer Strom für Rechenzentren und die Wasserstoffwirtschaft werden die Exporte langfristig stützen.
• Schwermaschinenbau und Schifffahrt: Trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds werden die Auslieferungen von Luxuskreuzfahrtschiffen und Spezialschiffen das Niveau der Warenexporte aufrechterhalten.
• IKT- und Dienstleistungsexporte: Mehr als die Hälfte der finnischen Dienstleistungsexporte stammen derzeit aus der Technologiebranche, insbesondere aus IT-Dienstleistungen und Software.
Ausblick des finnischen Außenhandels 2026
Laut Bank of Finland begann die finnische Wirtschaft gegen Ende 2025 wieder zu wachsen, und dieses Wachstum setzte sich Anfang 2026 fort. Die Zollzahlen zum deutschen-finnischen Handel bestätigen diesen Trend, die finnischen Exporte nach Deutschland stiegen zu Jahresbeginn deutlich im Vorjahresvergleich: Im Januar und Februar kumulativ um 6,3 %; im März laut vorläufigen Zahlen sogar um 7,8 %.
Noch bestehen wirtschaftliche Unsicherheiten, z.B. durch den Krieg im Iran. Laut der Prognose der Bank of Finland von Mitte April könnte Finnlands BIP im gesamten Jahr 2026 um 0,6 % wachsen, 0,2 Prozentpunkte niedriger als in der Prognose vom Dezember.
Allgemein lässt sich feststellen: Finnlands internationale Wettbewerbsfähigkeit hat sich laut World Competitiveness Ranking 2025 verbessert, was wiederum die Grundlage für neues Wachstum schaffen könnte. Der Handel zwischen Finnland und Deutschland tritt in eine neue Phase ein: Nicht die Mengen, sondern Arten der Warenlieferungen und das technologische Niveau sind entscheidend.
Text: Antti Grönlund