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Wasserstoff-Hochlauf in Deutschland: Bundeswirtschaftsministerium beschließt Maßnahmen

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) hat zehn Maßnahmen für den Wasserstoffmarkt beschlossen. Sie sollen neue Impulse setzen, um den Aufbau des Wasserstoffmarktes in Deutschland „entlang der gesamten Wertschöpfungskette pragmatisch und realistisch voranzubringen“.

An abstract visualization of aspects of the hydrogen economy
(c) iStock

Der Aufbau des Wasserstoffmarktes stehe derzeit vor großen Herausforderungen und verzögere sich, insbesondere da die Erzeugungskosten noch deutlich über den Zahlungsbereitschaften vieler potenzieller Anwendungssektoren lägen, so das Ministerium in einer Pressemitteilung. Für eine erfolgreiche Energie- und Industriepolitik der Zukunft sei ein funktionierender Wasserstoffmarkt eine wichtige Voraussetzung, so heißt es in dem 10-Punkte-Papier. Doch lägen die Herstellungskosten für erneuerbaren (grünen) Wasserstoff sowie für kohlenstoffarmen (blauen) Wasserstoff noch deutlich über den Preisen für fossile Alternativen und damit über den Zahlungsbereitschaften vieler potentieller Anwendungssektoren.

 

Mit pragmatischen und zielgerichteten Maßnahmen will das Ministerium den H2-Markthochlauf substantiell und gleichzeitig realistisch ermöglichen. Unsicherheiten im Markt, die sich zwischen Infrastruktur, Erzeugung und Nachfrage gegenseitig verstärken, sollen so reduziert und Planbarkeit geschaffen werden. Dies soll notwendige Investitionen anreizen. Ziel sei es, Skaleneffekte bei den Kosten zu erzeugen, die Technologieführerschaft deutscher Unternehmen zu sichern und Verlässlichkeit beim Infrastrukturaufbau für Erzeuger und Abnehmer zu stärken.

 

Ausgewählte BMWE-Maßnahmen zur Förderung der Wasserstoff-Wirtschaft im Detail

Das Maßnahmen-Paket des Bundeswirtschaftsministeriums macht deutlich: Deutschland setzt nicht auf eine einzelne große Förderung, sondern auf einen Instrumentenmix entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette. Die Maßnahmen legen einen starken Fokus auf Nachfrageförderung, Wasserstoffimporte und die Anerkennung von kohlenstoffarmem Wasserstoff. Das signalisiert einen pragmatischeren Ansatz als die bisherige, überwiegend auf grünen Wasserstoff fokussierte Politik.

 

Hier eine Auswahl der Maßnahmen im Detail:

  • Differenzkostenverträge sollen Wasserstoffeinsatz gezielt fördern. Wasserstoff muss sich langfristig im Markt wettbewerblich durchsetzen. Aufgrund der noch bestehenden Herausforderungen wird dies aber erst perspektivisch möglich sein. Um in der Marktaufbauphase die Kostenlücke zwischen Gestehungskosten und Zahlungsbereitschaft industrieller Abnehmer zu reduzieren und „First Mover“ zu unterstützen, sollen die CO₂-Differenzverträge (CCfD) in der nächsten Gebotsrunde um ein eigenes oder separates Wasserstoff-Fenster erweitert werden. Dafür sind in der Gebotsrunde 2027 mindestens 1,5 Mrd. Euro eingeplant. Auch über das spezifische Wasserstoff-Fenster hinaus sind die CCfD offen für die Teilnahme von Wasserstoff-Projekten. Insgesamt sind im Regierungsentwurf bis zu 8,7 Mrd. EUR an Verpflichtungsermächtigungen für die Finanzierung der CCfD zur Förderung unterschiedlicher CO2-Vermeidungstechnologien einschließlich Wasserstoff bis zum Jahr 2050 vorgesehen.
  • Umstellung von Kraftwerken auf Wasserstoff anreizen. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung steigt kontinuierlich an. Im Jahr 2030 soll er 80 Prozent des Stromverbrauchs betragen. Zugleich sind steuerbare Kraftwerke nötig, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Diese Kraftwerke können durch die künftige Nutzung von Wasserstoff zudem zur Dekarbonisierung beitragen. Aufgrund der noch hohen Kosten kann sich der Wasserstoffeinsatz jedoch bisher nicht im Strommarkt durchsetzen. Die Bundesregierung möchte daher die Umstellung von Gas- zu Wasserstoffkraftwerken gezielt unterstützen. Konkret sollen 2 GW Kraftwerksleistung im Jahr 2027 für den Wasserstoffbetrieb ab 2040 und weitere 2 GW in den Jahren 2030 bis 2032 für den Wasserstoffbetrieb ab 2043 ausgeschrieben werden. Für diese Kraftwerke soll die wirtschaftliche Lücke überbrückt werden, die durch die derzeit höheren Kosten für Wasserstoff gegenüber Erdgas sowie durch Umrüstkosten entsteht.
  • Leitmärkte für emissionsarme, klimafreundliche Grundstoffe schaffen. Mit erneuerbarem bzw. kohlenstoffarmem Wasserstoff hergestellte Grundstoffe benötigen verlässliche Nachfrage und Akzeptanz im Markt. Durch die gezielte öffentliche Nachfrage und regulatorische Rahmenbedingungen möchte das Ministerium Leitmärkte schaffen und damit Investitionen in emissionsarme Produktionsverfahren und -technologien anreizen. Für Neuausschreibungen von Offshore-Windparks soll bestimmte Nachhaltigkeitskriterien gelten. Denn Windenergieanlagen bestehen zu mehr als zwei Dritteln aus Stahl, somit kann bei Offshore-Windrädern eine Emissionsminderung über den Einsatz von klimafreundlichem Stahl erreicht werden. Dies soll die Nachfrage für Grünstahl und mittelbar die Nachfrage nach erneuerbarem Wasserstoff verstärken. Damit werde erstmalig in Deutschland ein Leitmarkt für klimafreundlichen Stahl geschaffen, so das Ministerium. Zudem plant das Ministerium Klimakriterien für öffentlichen Einkauf von Stahl und Zement und möchte andere europäische Leitmarkt-Initiativen unterstützen.
  • Einsatz für investitionsfreundlichere und kostensenkende Rahmenbedingungen. Das Ministerium setzt sich für die Lockerung oder die Anpassung bestimmter EU-Regeln für grünen Wasserstoff ein. Dazu gehören günstigere Netzentgelte für Elektrolyseure. Zudem werden Offshore-Elektrolyse-Projekte in der Nordsee möglich.
  • Grüngasquote soll Wasserstoff-Hochlauf unterstützen. Um Skaleneffekte bei der Wasserstofferzeugung zu erzielen und Planbarkeit für Investitionen zu schaffen, soll eine Grüngasquote die Nachfrage in der Hochlaufphase stärken. Mit einer moderaten Grüngasquote will das Ministerium die Inverkehrbringer von Gas zum anteiligen Einsatz von klimafreundlichen Gasen verpflichten. Die Quote kann mit erneuerbaren und kohlenstoffarmen Brennstoffen erfüllt werden, also auch mit kohlenstoffarmem Wasserstoff sowie Wasserstoffderivaten. Der Aufbau einer reinen Wasserstoff-Infrastruktur soll dadurch nicht gefährdet werden. Aktuell arbeitet das Ministerium an der konkreten Ausgestaltung der Grüngasquote.
  • Importpotenziele erschließen. Deutschland möchte Wasserstoff in großen Mengen importieren. Zur Erschließung kostengünstiger und mengenmäßig großer Importvolumina arbeitet das BMWE an der Realisierung von diversifizierten Importkorridoren und strategischen Wasserstoffpartnerschaften. Dabei werden pipelinegebundene Importe vor allem aus Europa und schiffsgebundene weltweite Importe gleichermaßen unterstützen. Diverse Auktionsmodelle, Förderrichtlinien und -programme stehen auf bundes- und EU-Ebene dafür zur Verfügung.
  • Nutzung von kohlenstoffarmem Wasserstoff ermöglichen. Kohlenstoffarmer Wasserstoff kann in der Hochlaufphase des Wasserstoffmarktes die Kosteneffizienz und Verfügbarkeit auf technologieoffene Weise steigern. Das Ministerium plant, dies in ihren Förderprogrammen und Instrumenten zu berücksichtigen, z.B. auch bei der Ausgestaltung der Grüngasquote.

 

 

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