Auch wenn geopolitische Risiken und die schwache aktuelle Lage die Erholung weiterhin bremsen können, fallen die neusten Signale insgesamt deutlich positiver aus als noch vor wenigen Monaten.
Der ZEW-Indikator legte im Juli kräftig zu und stieg um 15,8 Punkte auf plus 26,3 Punkte. Damit haben sich die Konjunkturerwartungen deutlich aufgehellt. Nach Einschätzung des ZEW zeigt das deutsche Reformpaket erste Wirkung: In den meisten Branchen verbesserten sich die Erwartungen. Besonders deutlich fiel der Anstieg im Maschinenbau und beim privaten Konsum aus. Auch die Bauwirtschaft nähert sich der Null-Linie, während die Automobilindustrie weiterunter Druck steht. Die Bewertung der aktuellen Lage bleibt mit minus 77,6 Punkten zwar schwach, verbesserte sich aber ebenfalls leicht. Für die Eurozone verbesserten sich die Erwartungen ebenfalls: Der entsprechende Index stieg auf plus 23,4 Punkte.
Auch der ifo-Geschäftsklimaindex bestätigt die positivere Tendenz. Er stieg im Juli auf 86,6 Punkte nach 85,7 Punkten im Juni. Ausschlaggebend waren deutlich bessere Erwartungen der Unternehmen. Besonders im Verarbeitenden Gewerbe legte der Index spürbar zu: Die Nachfrage belebte sich und der Materialmangel ließ nach. Gleichzeitig waren die Unternehmen mit den laufenden Geschäften etwas weniger zufrieden. Grundlage des ifo-Geschäftsklimas sind rund 9.000 monatliche Rückmeldungen von Unternehmen aus Industrie, Dienstleistungssektor, Handel und Bauwirtschaft.
Ein weiteres positives Signal kommt vom aktuellen Einkaufsmanagerindex. Der HCOB Flash Germany Composite PMI stieg im Juli auf 51,2 Punkte und damit wieder über die Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Besonders stark fiel die Erholung in der Industrie aus: Der Manufacturing PMI kletterte auf 52,2 Punkte, getragen von kräftigerer Produktion, besseren Auftragseingängen und einer stärkeren Exportnachfrage.
„Die deutsche Wirtschaft ist positiv ins dritte Quartal gestartet: Der Composite-PMI kehrte in den Wachstumsbereich zurück, nachdem er aufgrund des Ausbruchs des Nahost-Krieges drei Monate lang Schrumpfung signalisiert hatte. (...) Das Verarbeitende Gewerbe verzeichnete im Juli eine außergewöhnlich starke Produktionssteigerung und vermeldete das höchste Plus seit knapp viereinhalb Jahren. Unterstützt wurde dies vom Zuwachs bei den Auftragseingängen, insbesondere aus dem Ausland, wobei der abgeschwächte Kostenauftrieb ebenfalls für eine gewisse Entlastung gesorgt haben dürfte”, so Phil Smith, Economics Associate Director bei S&P Global Market Intelligence, die Lage.
Insgesamt deuten die drei Indikatoren darauf hin, dass sich die Aussichten für die deutsche Wirtschaft aufhellen, auch wenn der Weg zu einer nachhaltigen Erholung weiterhin von Unsicherheiten geprägt bleibt.