Um unser neues Netzwerkmitglied vorzustellen, hat FINDE mit Nora über Industrie-PR, internationale Kommunikation und die Bedeutung kultureller Unterschiede im B2B gesprochen.
Warum sollten Unternehmen heute an die Öffentlichkeit treten? Was macht gelungene PR-Kommunikation aus?
Nora Fritzsche: Viele Industrieunternehmen oder Zulieferer kommunizieren ihre Themen nur zurückhaltend, obwohl sie mit ihrem Fachwissen letztlich die Gesellschaft um eine wichtige Expertenstimme bereichern und damit den Diskurs zu bestimmten Themen voranbringen könnten. Wer selbst nicht kommuniziert, überlässt die Deutung häufig anderen und findet die eigenen Themen später vielleicht in der Kommunikation des Wettbewerbers wieder. Gute Kommunikation bedeutet deshalb nicht nur Sichtbarkeit, sondern auch Verantwortung, eigene Positionen zu übernehmen und öffentliche Debatten mitzugestalten.
Das macht industrielle Themen besonders interessant. Diese gelten schnell als sachlich oder wenig emotional – dabei steckt in ihnen enormes Potenzial. Wie erzählt man zum Beispiel Geschichten rund um Schrauben? Das Thema klingt zunächst recht nüchtern. Doch wenn Spezialschrauben mit einem Gewicht von mehreren Kilogramm im Brückenbau oder andere im Panzerbau eingesetzt werden, dann ist man plötzlich bei den Themen Infrastruktur oder Verteidigung. So wird aus einem vermeintlichen Nischenthema ein Thema mit gesellschaftlicher Relevanz.
Was macht Deine Kommunikationsagentur Sofia & Co besonders aus?
N.F.: Neben meiner internationalen Erfahrung steht mein globales Netzwerk hinter dem Erfolg von Sofia & Co. In der Praxis heißt das: Ich verstehe mich nicht als alleinige Expertin, auch wenn „Sofia“ im Griechischen für Weisheit steht, sondern stelle für jedes Projekt ein Team aus erfahrenen Freelancern mit der passenden fachlichen Kompetenz zusammen. So entsteht genau das Team, das ein Projekt braucht.
Für unsere Kunden heißt das: zügiges Handeln, hohe Agilität und eine enge Zusammenarbeit – fast so, als wären wir Teil ihres Inhouse-Teams. Ich selbst konzentriere mich vor allem auf Strategie, Content und das Account-Management.
Du hast schon bei der Europäischen Zentralbank (EZB), der Bertelsmann Stiftung, verschiedenen Agenturen und nicht zuletzt für zwei der wichtigsten Technologienunternehmen Deutschlands und Finnlands, Siemens und Kone, gearbeitet. Welche Erfahrungen aus dieser Zeit prägen Deine Arbeit?
N.F.: Jede meiner Stationen hat mir neue, spezifische Erfahrung gebracht: wissenschaftliche Recherchen in EU-Angelegenheiten, sowie Eventmanagement mit protokollarischen Aufgaben und anschließend in Dubai klassische Agentur-PR, wo ich den professionellen Umgang mit der Medienlandschaft im Nahen Osten intensiv kennengelernt habe.
In den Vereinigten Arabischen Emiraten kam ich auch in die interne Kommunikation. Ich habe Employer-Branding-Kampagnen für verschiedene Märkte in der Region betreut und dabei gelernt, wie unterschiedlich Kommunikation selbst innerhalb einer Kulturgemeinschaft funktionieren kann.
Nach 15 Jahren, zurück in Europa, kam ich über eine Beratungs- und Kommunikationsagentur in London an die Deutsche Botschaft in Helsinki, wo ich während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft an der Schnittstelle zwischen meinen beiden Heimatkulturen arbeitete. 2023 wechselte ich zu KONE und verantwortete dort ein breites Spektrum der Unternehmenskommunikation.
Eine Erkenntnis hat sich für mich immer wieder bestätigt: Es gibt globale Herausforderungen, aber der kommunikative Ansatz muss, mit wenigen Ausnahmen, lokal gedacht werden. Internationale Unternehmen streben nach einer einheitlichen Kommunikation. Zu Recht, aber es reicht nicht, eine Pressemitteilung oder Kampagnenmaterial einfach in eine andere Sprache zu übersetzen. Die Teams vor Ort brauchen Gestaltungsspielraum, um die Besonderheiten ihres jeweiligen Marktes glaubwürdig anzusprechen. Wer in mehreren Kulturen gearbeitet hat, erkennt schnell: Es gibt keine universelle Kommunikation. Dieselbe Botschaft muss in jedem Markt anders erzählt werden.
Du hast nicht nur in London, Paris, Brüssel, Frankfurt, Dubai und Neu-Delhi gelebt und gearbeitet, sondern hast auch noch einen deutsch-finnischen Hintergrund. Wie nützen Dir diese kulturellen Aspekte in Deiner Arbeit?
N.F.: Ja, anscheinend haben mich meine deutschen Wurzeln in Finnland zur Entdeckerin gemacht. (lacht) In Finnland geboren, lernte ich die Sprache frühzeitig und besuchte dann die Deutschen Schule (DSH) in Helsinki. Mit dem Abi in der Tasche ging ich als Au-pair nach Paris und danach zum Bachelorstudium nach Nottingham. Zu reisen, andere Sprachen und Kulturen kennenzulernen, fasziniert mich bis heute. Lebt man längere Zeit im Ausland, entwickelt man ein tiefes Verständnis für fremde Kulturen und andere Ansichten. Dieses Wissen ist wirklich unbezahlbar, wenn man an grenzüberschreitenden Kommunikationsprojekten arbeitet wie ich. Es hilft, schneller Verbindungen zu unterschiedlichen Menschen aufzubauen.
Immer wieder bemerke ich, wie finnische und deutsche Unternehmen nicht nur Sprachkenntnisse, sondern auch das Verständnis für beide Kulturen schätzen und mehr voneinander lernen möchten. Das zeigt: Erfolgreiche Zusammenarbeit wird von Menschen gestaltet, die Brücken bauen, Perspektiven teilen und ihre Leistungen sichtbar machen.
Sofia & Co ist seit Anfang 2026 Mitglied der AHK Finnland.
Kontakt: Nora Fritzsche
+358 44 981 8965